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ExklusivInterview mit Horst Langer
"Ein Auge lacht, eines weint."
Horst Langer
Horst Langer

Horst Langer übertrug im Mai 2014 auch die Verantwortung für den Firmenstammsitz an seinen Sohn. Wir sprachen mit Ihm zu diesem Thema.

Seit 55 Jahren ist Horst Langer - in zweiter Generation - für die Entwicklung der Autohaus-Gruppe verantwortlich. Zug um Zug hat er sich aus der Unternehmensführung zurückgenommen. Seit Mai 2014 trägt nun sein Sohn Ulrich Langer die Gesamtverantwortung für alle Autohäuser. Wir sprachen dazu mit ihm, einem der Vorreiter im deutschen Automobilhandel.


Langer.Net: Herr Langer, Sie sind seit über 55 Jahren Automobilhändler, haben das 1926 gegründete Unternehmen von Ihrem Vater übernommen und erheblich vergrößert. Nun geben Sie die "Zügel" komplett aus der Hand und übertragen auch für den Hauptstandort die Verantwortung an Ihren Sohn. Wie fühlen Sie sich dabei?

Horst Langer: Ein Auge lacht, eines weint. Einerseits sind die Firmen in guten Händen, andererseits würde ich gerne weiter arbeiten. Aber ich weiß auch, dass man es mit 73 Jahren nicht leicht hat, den rasanten Entwicklungen in der Autobranche zu folgen oder gar voraus zu sein.

Langer.Net: Das war Ihr Anspruch und Ihr Markenzeichen. Sie gründeten eigene Leasinggesellschaften, einen Lackierfachbetrieb, bauten BMW und Ford Autohäuser, entwickelten individuelle Sondermodelle für Neuwagen, ...

Horst Langer: ... ist schon gut ...

Langer.Net: ... SB-Autowaschanlagen, begannen mit dem Umbau auf Autogasanlagen und vielem mehr. Das alles an kleineren Orten. Und Sie hatten viel Erfolg damit.

Horst Langer: Ich habe mich bemüht, wir waren und sind ein Familienbetrieb abseits der großen Ballungsräume. Unser Ziel war den Kunden gute Gründe zu geben etwas weiter zu fahren, zu uns, wir wollten mehr bieten. Jeder Kunde war uns wichtig, wir haben ihn außerordentlich geschätzt, weil es doppelt schwer war ihn zu erreichen. Das war eine gute Lehre für meinen Sohn. Und es gilt heute noch.

Langer.Net: Die Entwicklung der Firmengruppe gibt Ihnen Recht. In Schwaben gelten Sie
als der "Mann mit Benzin im Blut", als "Mr. Auto", als Kaufmann nach "alten Prinzipien". Es geht das Gerücht dass Sie bis vor wenigen Jahren selbst verkauft haben, mit Handschlag, ohne Verträge.

Horst Langer: Das stimmt. Wenn Sie gegenseitiges Vertrauen haben sind Verträge nicht so wichtig. Ich habe mich auf auf das Wort unseres Kunden verlassen - und umgekehrt. Die Formulare kamen danach, waren Nebensache.

Langer.Net: Wie hat sich der Autohandel in den letzten 20 Jahren verändert?

Horst Langer: Vor allem in der Preismentalität. "Je billiger desto besser", wobei vergessen wurde, wie viel Dienstleistung und Service, auch Beratung, Wert sind. Die Rechnung geht für den Kunden oft nicht auf. Verstehen Sie mich nicht falsch, unsere Interessenten erwarten zu Recht ein günstiges Angebot. Aber "billig" alleine ist kein Vorteil an sich. Die ehrliche Beratung vor dem Kauf kann viel Geld sparen, danach ist wichtig wie sehr sich ein Markenhändler für die Belange des Kunden beim Hersteller einsetzt, Stichwort Kulanz. Und wie er dem Kunden generell zur Seite steht. Kaufen Sie einen Taschenrechner ist das egal, bei einem Automobil sieht das anders aus. Das Internet mit Autoportalen und Schnäppchenseiten hat diesen Trend dann massiv verstärkt.

Langer.Net: Ist Transparenz nicht wichtig?

Horst Langer: Sicher. Aber Sie wird auf den Kaufpreis reduziert. Nehmen Sie Gebrauchtwagenangebote aus den üblichen Portalen. Es werden Äpfel mit Birnen verglichen, selbst wenn alle Daten übereinzustimmen scheinen - was bekommen Sie für Ihr Geld? Welchen echten Zustand hat das Fahrzeug, welche Schäden hat und hatte es? Wie reagiert der Händler bei Reklamationen nach dem Kauf?

Langer.Net: Wir merken schon, damit haben Sie ein Problem ...

Horst Langer: ... das gebe ich gerne zu. Immer öfter war der erste Satz eines Kunden nach der Begrüßung "Wie viel Nachlass bieten Sie mir?", das wurde immer schwieriger für mich. Das, was unsere Firma immer ausgemacht hatte, der Kunde als Freund, unser persönlicher Einsatz, wurde immer weniger wichtig, es hatte keinen Preis und damit keinen Wert mehr. Ja, das hat mich enttäuscht.

Langer.Net: Wie haben Sie darauf reagiert?

Horst Langer: Zunächst - zu langsam. Mit meinem Sohn haben wir Konzepte entworfen die beides kombinieren, den Preisaspekt einerseits und besondere Vorteile die nur unsere Autohäuser bieten. Hier spielte das Internet eine positive Rolle - wir konnten das gut vermitteln.

Langer.Net: Man kann sich gar nicht vorstellen dass Sie sich nun ganz zurückziehen werden ...

Horst Langer: ... aus dem operativen Geschäft - ja. Aber mein Sohn hält mich auf Trab. Er nennt es "spezielle Aufgaben" und meint, nur ich könnte mich darum kümmern, weil Erfahrung so wichtig wäre ...

Langer.Net: Und?

Horst Langer: Das gefällt mir, er hat Recht! (lacht) Aber ernsthaft: ich helfe gerne. Ich freue mich wenn ich noch gefragt werde. Aber unter uns, eigentlich geht es um meine Frau. Sie kann es nicht leiden wenn ich den ganzen Tag nichts tue.

Langer.Net: Herr Langer, vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Carina Vogt am 14. Juni 2014.